175. Jubiläum des Merseburger Verlages gefeiert

Am 22. September feierte der Merseburger Verlag sein 175-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumskonzert.

Am Samstag, den 22. September 2012, feierte der Merseburger Verlag sein 175-jähriges Bestehen in der Evangelischen Kirche Rothenditmold mit einem Jubiläumskonzert in origineller Form. Zur Feier gab es 175 Minuten Musik aus der Schatzkiste des Verlagsprogramms, dargeboten als Wandelkonzert unter der Moderation des Musikwissenschaftlers und Verlagslektors Wolfram Boder.



Als Einleitung spielte der Kasseler Organist Martin Wenning auf der Orgel eine Auswahl von Chorälen aus einem der ersten gedruckten Notenbücher des Verlages, das als Jubiläumsausgabe aufgelegte Evangelische Choralbuch von Ernst Julius Hentschel mit dem Titel  Wie schön leuchtet der Morgenstern. Zu den Höhepunkten des Konzertes gehörten die beiden Auftritte des luxemburgischen Chores Les Amis du Chant, der mit seinem Dirigenten François Theis und dem Organisten Laurent Felten eigens angereist war. Mit strahlenden Stimmen und anmutiger Interpretation präsentierte der Chor in deutscher Uraufführung zwei Messen des luxemburgischen Komponisten Laurent Menager, dessen Gesamtwerk vom Merseburger Verlag derzeit in einer wissenschaftlich kritischen Ausgabe herausgebracht wird.


"175 Takte für Merseburger" hatte der Kasseler Komponist Michael Töpel dem Verlag zum Jubiläum geschenkt. Die Uraufführung dieses Capriccio für Violoncello übernahm die Cellistin Fan Yang in einem virtuosen Vortrag. Töpel hatte in das wirkungsvolle Stück einen musikalischen Bezug zum Festkonzert hineinkomponiert. Nach fast vier Stunden Programm stimmten alle Anwesenden in ein dem Verlag gewidmetes Happy Birthday auf der Drehorgel ein und bedachten das Konzert mit lang anhaltendem Applaus. Im Anschluss gab es bei der weiteren Feier noch reichlich Gelegenheit, sich über die vielen Eindrücke des Tages auszutauschen.

 


Zur Historie: Als ältester Kirchenmusik-Verlag weltweit repräsentiert der Merseburger Verlag, der 1974 seinen Sitz nach Kassel verlegte, eine 175-jährige Geschichte, die einst im sächsischen Weißenfels begann. Am 16. September 1837 hatte Carl Friedrich Meusel das Notenverlagsgeschäft seiner Buchhandlung eröffnet und damit eine bis heute andauernde kulturgeschichtlich bedeutende Tradition begründet. In den vergangenen 175 Jahren publizierte der Verlag nicht nur stets spielbare Literatur, sondern er ist auch einer der wenigen Verlage, die neben einem großen Noten-Programm ein breit angelegtes Buch-Programm anbieten. Merseburger war und blieb bis heute ein familiengeführter Betrieb.

Sieben Verlegergenerationen haben mit Erfahrung, viel Enthusiasmus sowie dem notwendigen Gespür für kompositorische Qualitäten den kirchenmusikalischen Schwerpunkt mit seinem umfangreichen Notenprogramm immer wieder um neue Akzente ergänzt und erweitert.


Die heutige Geschäftsführerin Renate Matthei beurteilt die vergangenen 175 Jahre Verlagsgeschichte als sehr bewegt, zielgerichtet und am aktuellen Musikgeschehen orientiert: "In der heutigen Zeit sieht sich die Kirchenmusik mit Herausforderungen konfrontiert, die vor 100 oder auch nur 50 Jahren überhaupt nicht denkbar gewesen wären: Die Kirchen verlieren Mitglieder; Messen und Gottesdienste werden von immer weniger Menschen besucht. Natürlich hat das Auswirkungen auf die Verbreitung der Kirchenmusik", so Matthei. Deshalb entwickelt sie gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Verlag weiter. Denn: "Wir können uns nicht darauf verlassen, dass die Kirchen wieder so populär wie einst werden." Neben Erstveröffentlichungen von Werken des Violinvirtuosen und Komponisten Louis Spohr, der von 1822 bis 1859 in Kassel lebte und weithin wirkte, erscheinen nun Editionen mit zeitgenössischer weltlicher Musik für verschiedene Besetzungen sowie Gesamteditionen, wie die erste Kritische Gesamtausgabe luxemburgischer Musik von Laurent Menager. "Eine so traditionsreiche Institution wie der Merseburger Verlag ist eine Bereicherung für das kulturelle Leben der documenta-Stadt Kassel, in der die Musik schon immer eine große Rolle spielte - hier lebten und wirkten zahlreiche Persönlichkeiten, die in der Musikwelt einen guten Klang haben", so der Oberbürgermeister Bertram Hilgen in seinem Grußwort zum Jubiläum.

 

Quelle/Bild: Merseburger Verlag

Foto: Laurent Felten (Orgel), Ursula Eichenberg (Merseburger Verlag) und Michael Töpel (Komponist)