AMI Musical Instruments GmbH: Wandel durch CITES

Der Umgang mit den CITES-Regularien und den Behörden scheint sich langsam, aber sicher einzugrooven. Wir waren zu Gast im Osten Münchens bei Thomas Demharter, International Sales Manager bei der AMI Musical Instruments GmbH, dem deutschen Vertrieb von Martin Guitars und Hersteller von Sigma-Gitarren. Demharter berichtet im Interview von seinen Erfahrungen in den letzten Monaten rund um CITES

Wie hat sich die Änderung im CITES-Abkommen für Sie in den ersten Monaten ausgewirkt?
Thomas Demharter: Als wir Anfangs davon erfahren haben, haben wir es erst nicht wirklich glauben können. Unser Rechtsanwalt hatte uns zwar schon prophezeit, dass der Handel mit Palisander-Instrumenten so stark erschwert würde, dass sich die Produkte wohl verändern würden, aber da meinten wir noch, man sollte es nicht so überdramatisieren. Es war für uns zunächst unvorstellbar, weil quasi in allen Instrumenten Palisander war. Die Hauptschwierigkeit war nach in Krafttreten, dass man die Container auf den Weg bekommt. Wir hatten zum Teil in China zwei bis drei Monate Wartezeit, nur um das Export-Dokument zu bekommen; und in Deutschland ging es damit weiter die Import-Dokumente zu beantragen. Mittlerweile läuft wieder alles gut. Also, es nimmt wieder Formen an, wo man auch planen kann. Man kann dem Vertrieb oder Händler wieder sagen, wir bestellen die Ware zu diesem Zeitpunkt und dann wird sie auch geliefert. Im ersten Quartal war es wirklich so, dass Bestellungen gefährdet wurden und niemand wusste, wann der Container wirklich raus kann.

Sie haben aufgrund von CITES und der damit einhergehenden Buchführungspflicht Ihr Warenwirtschaftssystem tiefgreigend überarbeitet.

Thomas Demharter: Ja. Ende letzten Jahres, als einigermaßen klar war, in welche Richtung es geht und wie es aussehen muss, haben wir diese Umstellung umgesetzt. Wir müssen wie alle anderen auch für das Bundesamt für Naturschutz das Aufnahme- und Auslieferungsbuch führen. Daher war es wichtig, dass das neue System auch seit Anfang des Jahres funktionierte.

Welche Auswirkung hat das Abkommen für das laufende Geschäftsjahr?

Thomas Demharter: Das Ganze hat schon ordentliche Auswirkungen. Wir sind eine Firma, der es gut geht, und haben das alles gut wegstecken können. Aber man sieht schon jetzt an den Zahlen, dass dieses Geschäftsjahr ein ganz anderes werden wird als das Letzte. Wenn ein Vertrieb auf einen Container wartet und nicht weiß, wann er kommt, fällt es ihm natürlich auch schwerer in diesem Zeitraum eine Bestellung zu machen. Bei uns sind jetzt zig Rechnungen rausgegangen und Exportdokumente reingekommen, alle auf einen Schlag. Wie es am Ende des Jahres aussieht, wird die große Frage sein. Natürlich hinterlässt es Spuren, wenn über einen so langen Zeitraum Ungewissheit herrscht und Ware liegen bleibt. Was man nicht ausliefern kann, wird auch nicht verkauft. Dadurch, dass wir hier in München ein großes Sigma-Lager haben, konnten wir die Zeit gut überbrück-en. Wir waren erst kürzlich mit den ersten Modellen ausverkauft und bekommen jetzt den ersten Container mit CITES-Dokumenten. Aber man kommt kapazitativ an seine Grenzen. Es fiel in der ersten Zeit Umsatz weg, hatte aber viel mehr Papierkram zu erledigen, damit einhergehend auch jede Menge Kommunikationsarbeit mit Kunden und unseren weltweiten Vertrieben. Jetzt läuft alles viel geschmeidiger und wenn man weiß, dass die Lieferzeit einen Monat länger ist, kann man sich darauf einstellen.

Hätten Sie sich einen längeren Vorlauf für die Umstellung gewünscht?
Thomas Demharter: Was ich mir gewünscht hätte, wären klare von den Ämtern vorgegebene Rahmenbedingungen gewesen. Aber die wussten selbst nicht, wie sie den Vorbestand angemeldet haben wollten. Dadurch, dass wir nur mit Akustikgitarren arbeiten und nicht mit vielen Kleinteilen oder 20 verschiedenen Marken, brauchten wir bisher keine Seriennummern. Das mussten wir umstellen. Wir hatten noch keine Seriennummern für unseren Altbestand dokumentiert. Eine Übergangszeit wäre ganz gut gewesen.

Wie empfinden Sie die Zusammenarbeit mit zuständigen Ämtern?
Thomas Demharter: Die Mitarbeiter der Bundesnaturschutzbehörde waren bei uns, haben sich alles angeguckt und Fotos gemacht. Sie haben sich unser System erklären lassen. Sie waren mit unserer Umsetzung sehr zufrieden und haben gesehen, dass wir das Ganze unterstützen. Das Bundesamt für Naturschutz ist ein wirklich guter Ansprechpartner. Am Anfang hat man kaum jemanden erreicht, weil wirklich jeder angerufen hat. Mittlerweile kennt man sich und steht im regelmäßigen Austausch. Sie müssen ihre Auflagen erfüllen und wir wollen Instrumente verkaufen. Das kann nur über eine gute Zusammenarbeit funktionieren.

Werden Sie bei neuen Modellen auf die geschützten Holzarten verzichten?

Thomas Demharter: Wir sind jetzt dabei die gesamte Sigma-Modell-Palette, da wo es geht, auf Palisander-frei umzustellen. Natürlich gibt es ein paar Klassiker, die man ohne Palisander nicht bauen kann. Aber 80 bis 90 Prozent unserer Modelle wird es zukünftig ohne Palisander geben. Warum muss eine Gitarre ein Regenwaldholz auf Boden und Zargen haben? Weil es aus einer Zeit kommt, wo diese Hölzer ein Statussymbol waren und man den Klang gewohnt ist. Aber ich glaube, dass man in zehn Jahren nicht mehr darüber reden wird. Wir verwenden für unsere Sigma-Gitarren im unteren und mittleren Preissegment weiterhin gesperrte Echthölzer wie Mahagoni. Ein gutes Beispiel dafür, dass es aber auch mit Holzalternativen wie HPL geht, ist die Martin LX-Gitarre, mit der Ed Sheeran, der zur Zeit erfolgreichste Musiker, weltweit Konzerthallen füllt.

Welche Materialien verwenden Sie als Alternative zum Palisander zukünftig?
Thomas Demharter: Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Man kann auf Ovangkol umstellen oder auf Ebenholz bei den höherpreisigen Gitarren. Man kann ein Composit-Material wie Micarta oder Richlite nehmen. Richlite ist bei Martin schon länger im Einsatz. Wir sind bei der Entscheidung für Sigma gerade in der finalen Phase. Wir planen die neuen Modelle für den Herbst.

Ist die Entscheidung für den Verzicht auf Palisander auf den einfacheren Handel zurückzuführen?
Thomas Demharter: Ja, auch. Wenn man an einer Gitarre zwei unterschiedliche Palisanderarten verbaut hat, braucht man dafür zwei Ausfuhrdokumente. Bei den Gitarren, die weiterhin Palisander beinhalten, beschränken wir uns daher auf eine Palisanderart. Wir verwenden dann nur noch Dalbergia latifolia aus Indien. Wir schauen, dass es für alle so einfach wie möglich ist. Es bringt niemandem etwas, wenn man sich mit ständigem Papierkram aufhalten muss. Ich bin guter Dinge, dass die Gitarren durch die neuen Materialen auch besser werden. Ich bin persönlich der Meinung, dass man im Jahr 2017 nicht mehr unbedingt mit Tropenhölzern arbeiten muss, um gute Musik machen zu können. Gitarristen, die sich im Detail auskennen, können verschiedene Palisanderarten klanglich voneinander unterscheiden. Deswegen ist das nicht so ohne weiteres eine einfache Entscheidung, dass man auf Palisander verzichtet im Gitarrenbau. Vor allem Martin ist ja eine Marke, deren berühmteste Modelle Palisander-Boden und -Zargen haben.

Hinsichtlich des Umweltschutzes ist es aber die richtige Entscheidung?
Thomas Demharter: Ja, aber was mich beschäftigt ist, ob es wirklich die Situation für die Regenwälder verbessert. Aus Indien kommt beispielsweise sehr viel Plantagenholz, das einwandfrei deklariert ist und auf gute Art und Weise geschlagen wird. Dort fällt auch ein Wirtschaftszweig bei Leuten weg bei, die darauf angewiesen wären. Es gibt auch Stimmen, dass indisches Palisander bei der nächsten CITES-Sitzung in drei Jahren wieder aus dem Anhang II raus soll. Es ist schwer da einen großen Überblick zu behalten, aber rein vom Instrument her, gibt es Möglichkeiten einen anderen Weg zu finden. Es wird spannend sein zu sehen, wie sich dadurch das Instrument vielleicht auch verändert.

Wie schätzen Sie die Situation der Händler bezüglich CITES ein?
Thomas Demharter: Ein Händler hat im unteren und mittleren Preissegment vermutlich überhaupt keine Lust ein Aufnahme- und Auslieferungsbuch für das Bundesamt für Naturschutz zu führen, wenn er an einer Gitarre einen überschaubaren Betrag verdient. Wir haben zu unserem Vorgehen bezüglich CITES durchweg positives Feedback aus dem Handel bekommen. Bei uns ging ab dem 2. Januar nichts mehr raus, ohne dass auf der Rechnung der wissenschaftliche Name stand; mit Gewicht, dem Teil, wo es verbaut ist, ob es Altbestand ist, wenn nicht, mit welchen Dokumenten es exportiert worden ist, wann sie ausgestellt wurden und wann es importiert wurde. Wir haben alles aufgelistet, um auf der sicheren Seite zu sein. Es war aber nicht einfach alle Angaben für alle Instrumente zu bekommen. Es ist auch so, dass die einen mit Gewicht und die anderen mit Volumen arbeiten. Der eine bezieht sich nur auf das fertige Produkt, der andere rechnet den Verschnitt mit ein. Ich denke, dass wir für die Händler bei der Umstellung alles richtig gemacht haben.

Hatten Sie Probleme mit Lieferungen ins Nicht-EU-Ausland aus?
Thomas Demharter: Das hat uns sehr große Probleme bereitet. Wenn wir von hier aus Paletten mit sogenannter Altbestandsware in die Schweiz, Island, Russland oder die Ukraine verschickt haben, dann waren die Wartezeiten ähnlich hoch wie bei einer China-Bestellung. Der Versand in EU-Länder funktionierte jedoch zu jeder Zeit reibungslos.

Wie empfanden Sie den Informationsfluss zum Thema?
Thomas Demharter: Es ist schwierig an Informationen zu kommen. Selbst auf der Website cites.org findet man nicht, für welche Länder man Importbescheinigungen braucht. Das nächste Problem: Wenn ein Export-Dokument, beispielsweise für die Einführung in die Niederlande, ausgestellt worden ist, dann ist es nicht möglich die Ware damit nach Frankreich einzuführen. Es wäre vielleicht einfacher, wenn es eine europäische CITES-Behörde gäbe, die Import- und Export-Dokumente ausstellen kann. Das sind Einzelfälle mit denen man sich nun rumschlägt, die aber viel Zeit in Anspruch nehmen.