China stellt Antrag auf Normung von Musikinstrumenten

Die Normungsbehörde Chinas (SAC) hat bei der Internationalen Organisation für Normung (ISO) einen Antrag eingereicht um einen Ausschuss zu gründen, um über Standards für Musikinstrumente zu entscheiden. Wir haben für Sie das Wichtigste zum Antrag zusammengefasst.

Kurz vor Drucklegung der April-Ausgabe von das musikinstument erhielten wir Informationen über einen Antrag der Normungsbehörde Chinas (SAC) bei der Internationalen Organisation für Normung (ISO), der die Gründung eines neuen Ausschusses (Technical Commitee, kurz TC) zur Normung von Musikinstrumenten vorschlägt. Um sich ein Meinungsbildung zu verschaffen hat die ISO die Anfrage weit gestreut. In Deutschland hat sich das Deutsche Institut für Normung (DIN) an verschiedene Multiplikatoren der Branche gewandt. Dabei sollen drei Fragen geklärt werden:

  1. Möchte die MI-Branche, dass das DIN diesen Antrag unterstützt?
  2. Möchte die MI-Branche, dass das DIN in dem neu zu gründenden internationalen Gremium unter Mitarbeit der MI-Branche (Entsendung von Experten) mitarbeitet?
  3. Gibt es bereits Normen, Regularien, Publikationen, die zu diesem Thema zu berücksichtigen sind?


Unter der Federführung der SOMM stimmen sich derzeit die betroffenen Branchenverbände über eine gemeinsame Position ab.

Was sieht der Antrag aus China konkret vor?
Über drei Bereiche soll in dem neu zu gründenden TC abgestimmt werden. Der erste Aspekt betrifft gemeinsame Standards, einschließlich Klassifizierung und Terminologie. Der zweite Aspekt betrifft Methodenstandards, einschließlich der Bewertung der musikalischen Leistung und Prüfverfahren zur Begrenzung gefährlicher Substanzen für Musikinstrumente. Der dritte Aspekt geht um Standards für anwendungsorientierte Produkte und Accessoires, darunter auch Musikinstrumente wie Klavier, Geigenfamilie (einschließlich Violine, Viola, Cello, Kontrabass), Gitarre, Akkordeon, Aerophone, Bogeninstrumente und Saiteninstrumente.

Wann kommt es zur Gründung des besagten TC?

Zunächst stimmen alle 119 Mitgliedsländer (Member bodies) der ISO ab. Jedes Mitgliedsland hat eine Stimme, die gleich gewichtet sind. Generell wird bei der ISO zur Annahme eines Antrags oder einer Norm eine 2/3-Mehrheit benötigt. Enthaltungen werden nicht mitgezählt. Stimmen alle 119 Mitglieder ab würden also 80 Ja-Stimmen für die Annahme des Antrags benötigt. Mit jeder Enthaltung sinkt demnach die benötigte Stimmenzahl. Wird der Antrag angenommen müssen mindestens fünf Mitgliedsländer aus ihren Landesinstituten (in Deutschland wäre das das DIN) freiwillig einen Teilnehmer in das TC entsenden. Werden diese nicht entsandt, wird das TC nicht gegründet, der Antrag gilt ebenfalls als abgelehnt und die zuvor durchgeführte Abstimmung ist hinfällig. Das DIN hat außerdem bereits die Eingabe getätigt den Themenbereich Musikinstrumente dem TC 43 (Normenausschuss Akustik, Lärmminderung und Schwingungstechnik [NALS]) anzuschließen und dort ein weiteres Sub-commitee (SC) zu gründen. Das TC 43 liegt in der Hand der DIN. Das TC 43 besteht aus 25 Mitgliedsländern, darunter neben der DIN für Deutschland beispielsweise auch China (SAC), Frankreich (AFNOR), Italien (UNI) und die USA (ANSI). Auch diese müssten freiwillig mindestens fünf Mitglieder in das SC entsenden, deren Mitglieder dann wiederum mit 2/3-Mehrheiten über die einzelnen Normen abstimmen würden. Stichtag der ISO für den chinesischen Antrag ist der 17. Mai 2018.

Ergibt eine Normung für Musikinstrumente Sinn?
Gegen Normen ist generell zunächst nichts einzuwenden, das sie beispielsweise erst den Welthandel durch genormte Container ermöglichen. Ob Normen bei so etwas individuellem wie einem Musikinstrument Sinn ergeben, empfindet die Redaktion mehr als fraglich und sieht in einer Einführung von im Extremfall strikten Normen den kreativen Musikinstrumentenbau gefährdet. Die Bewertung von musikalischen Darbietungen durch Methodennormen, wie im Antrag aus China aufgeführt, kommt in unseren Augen einer Zensur kreativer und musikalischer Ausdruckmöglichkeiten gleich. Welche Motive hinter dem chinesischen Vorstoß genau liegen, kann man nur spekulieren. Einen wirtschaftlichen Nachteil wird man sich davon in China sicherlich nicht erwarten.