GEWA Pianos - Digitaler Herausforderer

Vor rund fünf Jahren machte GEWA den Schritt auf den umkämpften Digitalpiano-Markt. Auch hier setzt das Unternehmen aus Adorf auf Qualität „Made in Germany“. Wir haben uns vor Ort in Adorf die Digitalpiano-Produktion angeschaut und stellen die Division GEWA Pianos und ihre Produkte vor.

Digitalpianos sind weiter im Aufwind. Kaum ein Marktsegment der MI-Branche liegt momentan so im Trend, wie die kompakten digitalen Klavier-Alternativen. Der Markt ist heiß umkämpft. Ein relativ neuer Spieler auf dem Feld kommt aus Adorf. Vor rund fünf Jahren brachte die GEWA ihre ersten neuen Digitalpianos an den Start. Zu Beginn der Entwicklung testete GEWA mit einem digitalen Innenleben aus China. Die Entwicklungsingenieure stellten aber dann fest, dass sie so den Mitbewerbern nicht auf Augenhöhe hätten entgegentreten können. So entschieden die GEWA-Verantwortlichen sich vor der eigenen Haustür umzusehen und arbeiten nun seit drei Jahren mit führenden Entwicklern für Musikinstrumentenchips aus Europa und einem Platinenhersteller aus Sachsen zusammen. Verheiratet werden das Innenleben, die hochwertigen italienischen Fatar-Klaviaturen und die Gehäuse im GEWA-Werk in Adorf. Damit setzt GEWA auch hier in der Produktion auf „Made in Germany“ – ein schwarz-rot-goldener Faden, der sich durch alle GEWA-Divisionen zieht.

Ein besonderes Alleinstellungsmerkmal der GEWA-Digitalpianos ist ihre Klangerzeugung. Für das Pianosample stehen mehrere Gigabytes Speichervolumen zur Verfügung, wodurch besonders umfangreiche Samples möglich werden. Beim Anschlag einer Taste erklingt nicht, wie bei Modellen anderer Hersteller, eine Klangschleife sondern ein „loop-freies“ Sample mit sechs Dynamikstufen, bei dem die gesamte Klangentwicklung, die sich am Resonanzboden abspielt, wiedergegeben wird. Für die Aufnahmen der Samples griffen die Ingenieure auf einen Steinway-Flügel D274 zurück. In einem Tonstudio in Hamburg wurden die Klänge des Konzertflügels digital aufgenommen. Mehr als 1000 Samples stehen für die tonale Komplexität zur Verfügung. Die charaktervollen Klänge werden authentisch reproduziert. Dieses Klangerlebnis bietet GEWA über die gesamte Modell-Palette, vom kleinsten bis zum größten Instrument.

Fünf Modelle aus dem Hause GEWA
Im Digitalpiano-Porftfolio von GEWA Pianos stehen folgende Modelle zur Auswahl: das DP 220 G, das DP240 G, das UP 260 G, das UP 280 G und das UP 280 G WK. Alle Ausführungen basieren auf neuester DSP- und Speichertechnologie. Dabei ermöglicht die Technologie QUANTUM2 mit einem äußerst schnellen integrierten Schaltkreis (IC) einen schnelleren Abruf der digitalen Daten aus dem NAND-Flash-Speicher, was dem Pianisten das Erleben aller Funktionen in realer Abfolge ermöglichen soll. Weiter setzen die GEWA-Digitalpianos auf eine 256-stimmige Polyphonie. In der Effektsektion stehen programmierte Effekte in zwei unabhängigen Effektblöcken, vier Halleffekte (Hall, Room, Stage und Ambient) und verschiedene Frequenzmodulationseffekte bereit.

Bei den Top-Modellen UP 280 G und UP 280 G WK kommt noch eine Verstärkersimulation hinzu. Die Klang-Library wächst von zehn Klängen beim DP 220 G bis auf über 40 mit zusätzlichen 128 GM Klängen bei UP 280 G und UP 280 WK an. Alle Modelle sind mit einer Aufnahmefunktion ausgestattet: Ein Kanal bei den Einsteiger-Varianten, zwei Kanäle im UP 260 G und bis zu acht Kanäle bei UP 280 G und UP 280 WK. Ab dem UP 260 ist es auch möglich Musik via Bluetooth oder USB-Stick (im MP3-Format) über die Instrumente abzuspielen. Für den klanglichen Output sorgt ein Class-D-Verstärker mit angepassten Lautsprechersystemen. MIDI in/out, USB to host, AUX in/out und zwei Kopfhörer-Ausgänge sind als Anschlüsse vorhanden.

Klaviaturen aus Italien

Wie bereits erwähnt, setzt GEWA für die Klaviaturen auf die italienischen Qualitätsprodukte der Firma Fatar. Die UP-Varianten sind mit der so genannten „Concert Pianist“-Tastatur ausgestattet. Durch den Einsatz von drei Kontaktpunkten liegt die Auflösung der “Concert Pianist”-Tastatur nahe dem Niveau eines Konzertflügels. Auch in der Gewichtung sowie dem Repetierverhalten überzeugt die Tastatur. Dieser klar definierte und präzise Anschlag soll das virtuose Spiel jedes Spielers unterstützen und ist perfekt auf die 6-Layer der Samples kalibriert. Dem Spielgefühl eines echten Flügels kommt das UP 280 G WK am nächsten. Für dieses Modell verwendet GEWA eine hochwertige Fatar-Klaviatur mit Holzkern. Ihre Masse, Gewicht und Ivory-Touch-Oberfläche sorgen für besondere Authentizität beim Spiel. Die Gewichtung bei der etwas abgespeckteren Kunststoff-Klaviatur ist aber identisch.

Kalibrierung, Tests und Kontrolle
Die Klaviaturen bekommt GEWA von Fatar mit einer Vorkalibrierung geliefert. Nach dem Einbau in das Gehäuse legen die GEWA-Pianos-Experten aber noch einmal selbst Hand an. Jede Klaviatur wird in Adorf getestet, korrigiert und kalibriert. Theoretisch wäre es möglich alles vollkommen einheitlich zu machen, aber GEWA erhält innerhalb einer Toleranzgrenze den individuellen Charakter jeder einzelnen Klaviatur. Die finale Kalibrierung wird mit Seriennummer des Instruments im System bei GEWA hinterlegt. Sollte bei einem Kunden-Instrument der Austausch der Klaviatur nötig sein, kann auf diese Daten zurückgegriffen werden und der Kunde erhält das Instrument mit der für ihn gewohnten und individuellen Kalibrierung zurück. Sorgfalt und Kontrolle sind in der Digitalpiano-Produktion in Adorf äußerst wichtig. Zunächst werden die angelieferten Gehäuseteile und das Zubehör aus den Kisten gepackt, überprüft und gegebenenfalls nachgearbeitet. Anschließend erfolgt der Einbau des Innenlebens und der Klaviatur. Kein Instrument verlässt das Werk zudem, ohne einen 24-stündigen Dauertest bestanden zu haben. Rund drei Prozent bleiben dabei auf der Strecke und müssen nachgebessert werden. So stellt GEWA für den weltweiten Vertrieb sicher, das kein fehlerhaftes Instrument beim Endkunden landet. Rund 30 Instrumente verlassen das GEWA-Werk nach 24-Stunden-Test und finaler Endkontrolle jeden Tag. Die akkurate Verfolgung der Seriennummer stellt sicher, dass alle Teile wieder in die gleiche Verpackung kommen, in der die Gehäuse angeliefert wurden. In der präferierten Farbe unterscheiden sich die Märkte, wie uns GEWA-Pianos-Produkt-Manager Frank Gärtner bei unserem Besuch der Produktion in Adorf erklärte. Zur Auswahl stehen die Instrumente in den Farben Schwarz, Weiß und Rosenholz. In den USA werde, so Gärtner, zu 90 Prozent schwarz nachgefragt. Für den heimischen Markt verteilt sich die Produktion in etwa auf 50 Prozent Schwarz und rund 35 Prozent weiße Instrumente. Der Rest werde in Rosenholz ausgeliefert.

Fortlaufende Optimierung
Im Detail finden im Produktionsprozess und den Instrumenten stetig Verbesserungen statt. Nach Kundenrückmeldungen wurde beispielsweise die Packreihenfolge in den Kartons optimiert. So ist es bei den neusten Produktionslinien nicht mehr nötig, erstmal das ganze Instrument auszupacken. Die verschiedenen Teile liegen in der Reihenfolge im Karton, wie sie für den Aufbau benötigt werden. Das Instrument kann also am Bestimmungsort aufgestellt werden, ohne dass die Einzelteile dafür ausgepackt in der Wohnung verteilt werden müssen.