Superbooth18: Spaß am Spiel aus Mathe, Physik und Musik

Zum dritten Mal fand in Berlin vom 3. bis zum 5. Mai die Superbooth statt. In kurzer Zeit hat sie sich zur größten europäischen Fachmesse für elektronische Musikinstrumente entwickelt. Mit Konzerten, Workshops, Gesprächsrunden und einer Ausstellermischung aus Kleinstherstellern und den größten Namen lockt sie die Besucher ins FEZ Berlin. Wir haben mit Superbooth-Geschäftsführer Andreas Schneider im Vorfeld der Messe gesprochen.

Wie ist die Superbooth entstanden? Wie kam es zu der Idee eine eigene Messe aufzuziehen?
Andreas Schneider: Die Superbooth hat ihren Ursprung auf der Musikmesse. Ich habe einen Messestand organisiert, zudem ich Kollegen, Freunde und Mitbewerber eingeladen habe, um insbesondere dem Kleinsthersteller, Manufakteur und Anbieter von Elektronik eine Plattform anzubieten, der es sich in Frankfurt nicht leisten konnte, einen eigenen Sechs-Quadratmeter-Stand mit den verbundenen Zusatzkosten zu buchen. Ich hatte über 15 Jahre einen Sammelstand, wo wir zusammen immer viel Aufmerksamkeit erregt haben, weil wir den höchsten Aussteller-pro-Quadratmeter-Faktor auf der ganzen Veranstaltung hatten. Wir haben jeden der teuer zu bezahlenden Quadratmeter so eng genutzt, wie es nur ging. Daraus hat sich irgendwann die Erkenntnis ergeben, dass es sinnvoll wäre - weil es immer mehr wurden - das Ganze in eine eigene Veranstaltung zu überführen Sie sollte dort stattfinden, wo das Hotelzimmer nicht, nur weil Messe ist, das Doppelte kostet, und es keinen Rotlichtbezirk gibt. Wo man sich vielleicht auch ein bisschen wohler fühlt, weil man Clubs um die Ecke hat, die zu unserer Materie passen. Ich habe mich zunächst nicht getraut mich von Frankfurt zu emanzipieren, bis ich meinen Partner und jetztigen Teilhaber gefunden habe. Insgesamt sind wir jetzt drei Gesellschafter. Und damit ist das auch umsetzbar.

Sie konnten mit der Superbooth innerhalb der ersten drei Jahre relativ rasant wachsen.
Andreas Schneider: Im ersten Jahr hatten wir rund 100 Anbieter, im Jahr darauf rund 160 Aussteller und Stand jetzt sind wir bei über 210 Ausstellern. Es wächst also gemütlich und stetig, würde ich sagen. Es ist nicht explodiert. Das wollen wir auch gar nicht. Es ist für mich immer eine Frage, ob es ein Wachstum braucht; beziehungsweise sollte das Wachstum der Realität entsprechen. Unsere Nische ist auch in der realen Welt nach wie vor am wachsen. Jeden Monat poppt irgendwo jemand Neues auf, der Module macht. Die Botschaft von Wachstum generiert Wachstum, weil jeder denkt, ich will da dabei sein, wo es wächst. Viele die früher über uns gelacht haben, machen jetzt mit. Dem vorauseilend öffnen wir uns auch den Grenzbereichen, die unserer Fachnische entsprechen.

Welche Grenzbereiche sind das?
Andreas Schneider: Beispielsweise sind Aussteller dabei, die Gitarrenpedale machen. Nicht weil wir in den Gitarrenbereich wollen, sondern weil es technisch sehr nah beieinander liegt. Es gibt diverse Firmen, die eigentlich aus dem Gitarreneffekt-Bereich kommen und dann in den Modular-Bereich gewechselt sind, weil es sich um die gleichen Schaltkreise und sogar um die gleichen Produktdimensionen handelt. Das ist ganz eng miteinander verwandt. Auch der Outboard-Bereich wird größer. Immer mehr Hersteller bieten für den Modul-Bereich Kompressoren, Equalizer oder Klangbearbeitung auf höherem Niveau an. Da ist es naheliegend, dass man auch die Originale, die im 19-Zoll-Berreich existent sind, in Maßen zulässt. Wir haben auch aus eigenem Interesse Hersteller mit an Bord, die Studiomonitorlautsprecher anbieten und die uns aus logistischen Gründen gleich mit ihren Produkten versorgen. Da kann man das Gute mit dem Nützlichen verbinden. ‚Wir freuen uns wenn ihr bei uns ausstellt, aber bringt bitte zwei Paletten Lautsprecher mit.‘

Inwiefern?
Andreas Schneider: So kann auch der Kleinsthersteller, der nur ein Produkt in seinem Koffer mitbringt und es auf den Tisch stellt, in den Keller gehen und sich Monitorboxen holen. Das ist im Standpreis mit drin. Das gehört genauso dazu wie der Tisch und der Platz, um sein Banner aufzuhängen. Es gibt alles lokal vor Ort. Nur so können diese kleinen Anbieter auch einen Messestand stemmen. Zu uns kommt der Kleinsthersteller, der vielleicht noch nicht mal seine Firma angemeldet hat. Er ist für uns und unser Publikum vielleicht auch der interessantere. Da hat vielleicht jeder zehnte eine Idee, die dann die Runde macht, wo jeder sagt, das ist ja geil. Dann kommen auch die großen Hersteller, um es sich anzuschauen und bauen so etwas dann entsprechend nach.

Der Fokus der Superbooth liegt also klar darauf, dem Kleinsthersteller eine Plattform zu bieten? Andreas Schneider: Genau. Sie stehen im Mittelpunkt. Ihre Stände findet man im Gang. Durch die Trennung von Frankfurt, heißen wir jetzt natürlich auch große Hersteller wie Korg, Moog, Yamaha, Roland und viele weitere bei uns willkommen. Den großen Herstellern vermieten wir die Lounges, wo sie ihre Welten einbauen können. Man tritt also durch eine Tür in die Welt von Novation oder Yamaha. Für den oberflächlichen Betrachter sieht es auf den ersten Blick dennoch so aus als wären die Stände nicht größer als die der kleinen Hersteller. Die großen haben eben einen Tisch vor ihrer Tür zu ihrer Welt. Für Fachbesucher ist es so auch stressfreier, wenn sie dort beispielsweise ein ruhiges Gespräch mit den entsprechenden Verantwortlichen führen wollen.

Wie wird die Superbooth von den Verantwortlichen aufgenommen?
Andreas Schneider: Für unsere Nische sind die meisten wichtigen Personen anzutreffen, worüber ich sehr froh bin. Ich will natürlich einen Ort schaffen, wo das ganze Spektrum dessen, was im Handel in dieser Nische verfügbar ist, abgebildet wird.

Wie hat sich der Handel in dieser Nische in ihren Augen verändert?
Andreas Schneider: Rückblickend auf meine letzten 20 Jahre und die Entwicklung von Schneiders Büro, denke ich mir manchmal, dass es vielleicht gar nicht so schlau war, mich der Musikinstrumentenbranche anzunähern. Meine ursprüngliche Kernkundschaft, war gar nicht scharf darauf zu den großen Händlern zu gehen und hat auch bis heute nichts damit zu tun. Sie kaufen noch immer in ganz anderen Geschäften. In Schneiders Laden gibt es mittlerweile auch Keyboards. Aber es kommen zu uns nicht unbedingt Leute, die sich als Musiker bezeichnen und mehrere Jahre Unterricht an einem Instrument hatte, sondern eher Kundschaft aus der experimental Physik in Sachen Klangforschung. Ich persönlich habe aber immer die Kompatibilität zwischen diesen beiden differenten Nutzergruppen gesucht, weil ich dachte über den Musikinstrumenteneinzelhandel erreicht man eine größere Gruppe Menschen, die sich latent für elektronische Musik und Klangforschung interessieren könnten und sollten. Dadurch ist man aber natürlich auch in Konkurrenz zu den großen Händlern, die auch in dieser Nische heute mit sehr kleinen Preisen mitmischen.

Wie setzt sich das Besucherklientel auf der Superbooth zusammen?
Andreas Schneider: Subjektiv haben wir einen großen Faktor an musikinteressierten und musikaffinen Normal-Kunden auf der Messe. Diese Besucher lassen sich gern treiben und Dinge erklären und finden so latent Zugang zu der Materie, die eigentlich nur eine gewisse Neugier voraussetzt. Man muss nicht schon acht Jahre lang Klavier gespielt haben oder wissen, was ein Synthesizer ist. Es geht um den Spaß am Spiel. Der reduziert sich nicht auf Musikinstrumente. Es geht um den Spaß an der Kombination aus Mathematik, Physik und Musik. Das öffnet diese Branche der gewöhnlichen Schulklasse, dem Naturkundelehrer, aber auch dem Zahnarzt, dem Rechtsanwalt oder dem unbedarften Musikhörer. Darauf richten wir die Veranstaltung aus. Es gibt Einsteigerkurse, damit diese Besucher verstehen können, worüber die Leute hier reden und womit sie Musik machen. Es gibt auch Besucher, die sich nur die Konzerte angucken. Die Konzerte sind sehr wichtig, damit die Leute erleben können, wie man mit den Instrumenten Musik machen kann. Insgesamt finden über 60 Konzerte statt. Natürlich gibt es auch viele Besucher, die ganz gezielt kommen, um für ihr erstes Modul-System mit vielen Leuten zu sprechen und zu hinterfragen, ob die eigene Vorstellung deckungsgleich ist mit dem, was das Produkt kann. Zudem kommen natürlich Händler, Booker, DJs, Produzenten und Menschen, die in dieser Szenerie zu Hause sind, die das leben. Sie helfen uns auch gerne, den anderen Besuchergruppen bei der Materie zu assistieren. Nicht selten kommt man an einen Stand und bekommt von jemand anderem erklärt, was an diesem Stand passiert.

Gibt es eine Trennung von Fach und Normal-Besuchern?
Andreas Schneider: Morgens von 10 bis 13 Uhr ist Fachbesucherzeit. Die Händler beispielsweise, die die Vertriebsfirmen bestücken, kommen aus ganz Europa. Erstmals haben wir dieses Jahr auch Tickets für selbstdefinierte Fachbesucher, das auch ab morgens um 10 Uhr gilt. Um diese Zeit sind also noch keine Schulklassen oder Normal-Besucher auf dem Gelände. In diesem Zeitraum finden auch noch keine Konzerte statt. Wir sind jetzt schon für die Fachnische Musikelektronik und Keyboards der Ort, wo man als Fachbesucher hin muss.

Inwiefern unterscheiden sich die Besucher auf der Superbooth von denen auf der Musikmesse?
Andreas Schneider: Es kommen auch Besucher mit einem minimal Interesse für die Materie von Elektronik oder elektronischer Musik. Es kommen nicht zufällig beispielsweise Geiger oder Schlagzeuger vorbei, die mal gucken wollen. Es ist auch einfach nicht so riesig. Man trifft die Leute alle zwei Mal. Dennoch: Wer das erste Mal kommt, denkt, es ist alles nicht so groß. Da reicht ein Tag. Am Ende des Tages denken sie dann aber, ein Tag mehr wäre besser gewesen. Es geht bei jedem Gespräch tiefer in die Materie. In Frankfurt rennt man quasi an den Ständen nur vorbei, hört sich eine Performance an, dann geht man raus und isst eine Bockwurst für 4,50 Euro und der Tag ist schon wieder vorbei.

Welches Feedback hat Sie in den letzten Jahren erreicht?
Andreas Schneider: Im letzten Jahr sind bei uns alle begeistert wieder raus gegangen. Der Tenor war: Bitte nichts ändern und genauso wieder machen. Natürlich gibt es auch bei uns beschwerden, dass der ein oder andere zu laut war. Das kann ich aber an einer Hand abzählen. Dennoch empfand ich die Atmosphäre, auch an den Stellen, wo es laut war, als angenehm. Eine Soundcontrol sehe ich nicht als den richtigen Weg. Wir haben versucht, Räume zu schaffen, wo die Aussteller so weit auseinander sind, das man immer den nächsten sieht, aber sich die Lautsprecher nicht genau gegenüber stehen.