Funkfrequenzen vor Zwangsräumung

Drahtlosen Mikrofonen droht das Aus. Die geplante Neuvergabe von Funkfrequenzen an Handy-TV und Breitband-Internet lässt die Belange der Eventbranche unberücksichtigt. Der neu gegründete Verband für professionelle drahtlose Produktionstechnologie APWPT will das ändern.

Drahtlosen Mikrofonen, wie sie bei Konzerten und anderen Kulturveranstaltungen verwendet werden, droht das Aus. Die geplante Neuvergabe von Funkfrequenzen an Handy-TV und Breitband-Internet lässt die Belange der Eventbranche bislang unberücksichtigt. Der neu gegründete Verband für professionelle drahtlose Produktionstechnologie (Association of Professional Wireless Production Technology – APWPT) will das ändern. Gemeinsam mit Sänger Peter Maffay hat er am 10. November in Berlin den Erhalt der für drahtlose Mikrofone benötigten Funkfrequenzen gefordert.

 

Die Digitalisierung des Fernsehens führt dazu, dass in den nächsten Jahren zahlreiche Funkfrequenzen neu vergeben werden. Der bisherige Plan sieht vor, diese Kanäle für Handy-TV und Breitband-Internet zu nutzen. Dann allerdings würden drahtlose Mikrofone und andere Produktionstechnik nicht mehr funktionieren. Um das zu verhindern, haben sich Hersteller und Nutzer drahtloser Funksysteme in einem Verband, dem APWPT, zusammengeschlossen. „Drahtlose Produktionstechnik gehört heutzutage bei jedem Konzert und jeder Sportübertragung zur Grundausstattung. Der Wegfall der dafür nötigen Frequenzen wäre eine Katastrophe für den Kulturbetrieb“, warnte Vorstandssprecher Norbert Hilbich bei der ersten Pressekonferenz des Verbandes am Montag in Berlin. „Deshalb fordern wir den Erhalt dieser Frequenzen oder adäquaten Ersatz.“ Sennheiser Vorstand Dr. Heinrich Esser formulierte auf der Pressekonferenz das Szenario so: " Was hier stattfindet, ist vergleichbar mit einer Zwangsräumung eines Hauses, nur dass der Mieter, in diesem Fall die drahtlosen Mikrofone, in die Obdachlosigkeit geschickt werden." 

 

Bisher arbeiten drahtlose Übertragungssysteme ohne Probleme parallel zu analog ausgestrahlten TV-Kanälen. Als Sekundärnutzer dürfen sie dort betrieben werden, solange sie die Primärnutzer Fernsehen und Rundfunk nicht stören. Mit der Digitalisierung des Fernsehens ändern sich allerdings die Bedingungen, denn digitale Sender brauchen weniger „Platz“ als analoge Programme, insgesamt nur ein Viertel der bislang genutzten Frequenzen. Die in den nächsten Jahren frei werdenden Frequenzen, die so genannte "digitale Dividende", soll neu vergeben werden. Die Nachfrage ist hoch. Rundfunksender, Telekommunikationsanbieter und andere Interessenten bemühen sich um die Rechte.

 

Von der Einschränkung betroffen wären TV-Produktionen, Theatervorführungen, Konzerte, Konferenzen, Volksfeste, Sportveranstaltungen und andere Kulturevents. So könnte es sogar zu der paradoxen Situation kommen, dass Handynutzer Fernsehprogramme zwar empfangen können, die Produktion bestimmter Sendeformate aber erheblich erschwert wird. Das für die Frequenzvergabe zuständige Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie lässt in einem entsprechenden Verordnungsentwurf (FreqBZPV) die Belange der Eventbranche unberücksichtigt. Die Proteste der Betroffenen haben die verantwortlichen Politiker inzwischen jedoch dazu veranlasst, gemeinsam mit Nutzern und Herstellern drahtloser Funksysteme nach einer Lösung zu suchen.

 

Der APWPT vertritt die Interessen der Hersteller und Nutzer drahtloser Funksysteme. Er setzt sich auf nationaler und internationaler Ebene für den Erhalt der für diese Technik benötigten Frequenzen ein. Sitz des im September 2008 gegründeten Verbands ist Baiersdorf. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.apwpt.org.