Harter Brexit bedroht britische Musiklandschaft - Orchester ziehen auf das europäische Festland

Die Form und die Folgen des Brexits sind noch nicht abzusehen. Erste in England beheimatet Orchester planen allerdings bereits den Umzug auf das europäische Festland. Das berichtet die britische music industries association.

Die Form und die Folgen des Brexits sind noch nicht abzusehen. Erste in England beheimatet Orchester planen allerdings bereits den Umzug auf das europäische Festland. Das berichtet die britische music industries association.

European Union Baroque Orchestra zieht nach Antwerpen

Beschlossene Sache ist der Standortwechsel bereits beim European Union Baroque Orchestra (EUBO). Das vom Förderungsprogramm "Kreatives Europa" der EU unterstützte Orchester wird am 19. Mai 2017 sein vorerst letztes Konzert in Großbritannien geben und anschließend nach Antwerpen umziehen. Die Geschäftsführerin des EUBO Emma Wilkinson sieht den Verlust der Freizügigkeit als eine große Schwierigkeit für das Leben der Musiker: "Ich bin besorgt, dass europäische Orchester talentierte britische Musiker nicht mehr einladen werden, um mit ihnen zu arbeiten. Einfach weil es bürokratisch zu schwierig ist." Ob das Orchester jemals wieder in Großbritannien auftreten wird, kann Wilkinson aufgrund der unklaren Zukunft nicht mit Gewissheit sagen.

European Union Youth Orchestra trifft Vorkehrung für Umzug

Das European Union Youth Orchestra (EUYO) aus London wartet die Brexit-Entwicklungen noch ab, hat aber bereits für einen Umzug vorgesorgt. Laut Marshall Marcus, Geschäftsführer des EUYO, habe das Orchester viele Einladungen erhalten in andere europäische Länder umzuziehen. "Seit einiger Zeit machen wir Pläne, um für einen Standortwechsel bereit zu sein, falls und wenn es nötig wird beziehungsweise es einfach vorteilhafter ist." Bei einem harten Brexit sieht er Schwierigkeiten darin, dass britische Musiker, wie Generationen von europäischen Musiker vor ihnen, von den Möglichkeiten des EUYO und andern europäischen Initiativen profitieren können. Als weitere mögliche Probleme sieht er den EU-Arbeitnehmerschutz, Zollunionen, Importdokumente für Instrumente und Visabestimmungen - ein bürokratischer und monetärer Mehraufwand.

Chamber Orchestra of Europe sieht bürokratischen Albtraum

Das Chamber Orchestra of Europe (COE) in London plant bisher nicht das Vereinte Königreich zu verlassen, hält sich aber Optionen offen, da 85 Prozent seiner Mitglieder auf dem europäischen Festland wohnen. Der Vorsitzende des COE Peter Readman sieht einen bürokratischen Albtraum auf das Orchester zukommen: "Niemand weiß wie es hinterher aussehen wird, aber es wird sicherlich nicht besser werden."

Kulturelles Leben in Gefahr
Der künstlerische Leiter und Chef der Londoner Philharmoniker Timothy Walker sieht das kulturelle Leben der britischen Hauptstadt durch den Brexit in Gefahr. Änderungen im Aufenthaltsrecht für freischaffenden Künstler aus der EU werden sich zweifellos auf die klassische Musik auswirken. So sei es wahrscheinlich dann nicht mehr möglich, aufgrund von einem benötigtem Visum und einer Arbeitserlaubnis, kurzfristigen Ersatz zu finden, sollte ein Dirigent oder Solist unerwartet ausfallen.

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