Musikmesse 2017: Branchentreff im Umbruch

Das neue Konzept von Musikmesse und Prolight + Sound wird weiter justiert. Die Messemacher haben noch viel zu tun. Die Branchen-Verbände blicken mit Optimismus nach vorn.

Die Musikmesse und Prolight + Sound befinden sich weiterhin im Umbruch. Nachdem sich das Messe-Duo im vergangenen Jahr mit neuem Konzept präsentierte, wurde in diesem Jahr weiter an den Stellschrauben gedreht. Positiv wurden dabei beispielsweise die Öffnungszeiten aufgenommen. Zum Drum-Camp gesellte sich in Halle 11.0 das Guitar-Camp. Mit Meinl Cymbals, Tama und Sonor im Schlagzeugbereich und Ibanez bei den Gitarren konnten die Messemacher einige Marken zurück gewinnen.

Dies konnte jedoch nicht über die auffallend breiten Gänge in der Schlagzeug- und Gitarren-Halle hinwegtäuschen. Fender und Gibson beispielsweise waren erneut nur durch den Stand von Music Store vertreten. Auch Roland blieb in diesem Jahr der Messe als Aussteller fern. Die Prolight + Sound hatte in diesem Jahr ebenfalls den Verlust einiger großer Marken zu beklagen: Nicht dabei waren unter anderem HK Audio, Meyer Sound, Sennheiser oder Electro-Voice und Dynacord. Das zeigt, dass das Messeteam noch viel Arbeit vor sich hat, die richtigen Stellschrauben zu drehen. Nicht mehr dabei helfen wird der langjährige Direktor der Musikmesse Wolfgang Lücke, der die Messe Frankfurt nun verlässt. Das Fazit der Messe in diesen Zeiten der Neukonzeption fällt dennoch positiv aus. „Vor dem Hintergrund einer signifikanten Marktkonzentration in der Musikinstrumentenbrache und einer konstanten Entwicklung im Bereich der Veranstaltungstechnik bewerten wir den Verlauf des internationalen Messeduos positiv. Wir nehmen unseren Auftrag als Partner der vertretenen Branchen aktiv wahr, eine zukunftsorientierte Marketingplattform mit zielgruppenspezifischen Formaten und Events zu schaffen. Diesen Weg setzen wir im intensiven Dialog mit Ausstellern und Verbänden für 2018 konsequent fort“, so Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt. Das Besucherniveau konnte laut Messeangaben mit rund 100.000 in etwa gehalten werden (105.896 Besucher waren es im Vorjahr). Die Ausstellerzahlen gingen ebenfalls nur leicht zurück: Insgesamt 1.922 Aussteller aus 55 Ländern, 2016 waren es 1.966 Aussteller aus 60 Ländern.

Positive Stimmen von den Branchenverbänden

SOMM-Geschäftsführer Daniel Knöll blickt mit Optimismus in die Zukunft: „Der Spitzenverband der Musikinstrumenten- und Musikequipmentbranche Society Of Music Merchants begrüßt die Fortsetzung des 2016 begonnen Wegs einer umfassenden und immer noch andauernden Neuausrichtung. Bei dem neuen Konzept der Musikmesse bin ich mir sicher, dass einiges bewegt werden kann. Ein Wandel ist deutlich spürbar. Für deutsche, europäische und internationale Unternehmen gehört die Musikmesse und Prolight + Sound zu den wichtigsten Instrumenten in der Business-to-Business-Kommunikation.“

Die Bedeutung der Musikmesse betont auch Gerhard A. Meinl, Vorsitzender des Bundesverbands der deutschen Musikinstrumenten-Hersteller e.V. (BDMH): „Die Musikmesse in Frankfurt ist eine Notwendigkeit für die deutsche und europäische Musikindustrie und gerade auch Länder aus dem Osten. Wir wissen die Internationalität zu schätzen. Wir brauchen diesen Marktplatz und hoffen, dass ihn möglichst viele auch zukünftig nutzen, denn davon lebt die Musikmesse – von der Ausstellerseite her, ebenso wie von der Händlerseite“.

Auch Arthur Knopp, Präsident des Gesamtverbandes Deutscher Musikfachgeschäfte (GDM) zieht ein positives Fazit. „Wir sind mit dem Verlauf der Musikmesse sehr zufrieden. Ich habe viele Händlerkolleginnen und -kollegen auf der Messe angetroffen. Die Frequenz in den Hallen war gut, die Messestände immer gut besucht. Auch die Business Academy, bei der wir in diesem Jahr erstmals mit eigenen Themen vertreten waren, ist auf einem guten Weg. Kurzum: Die notwendigen Veränderungen der Musikmesse werden von der Branche anerkannt.“

Fachvorträge im B2B-Bereich

Die Business Academy inspired by SOMM, die das musikinstrument in diesem Jahr erneut präsentierte, wurde mit ihren Workshops wieder positiv angenommen. Auf besonders großes Interesse stieß unter anderem das Thema CITES. Hierzu fanden zwei Vorträge statt. Rechtsanwalt Martin Bolm von Rasch Rechtsanwälte referierte zu den rechtlichen Bestimmungen für den Handel mit den geschützten Holzarten und PD Dr. habil. Gerald Koch vom Thünen-Institut für Holzforschung erläuterte, wie die verwendeten Hölzer wissenschaftlich eindeutig bestimmt werden. Koch unterstrich in seinen Erklärungen, dass man weiterhin die im CITES-Anhang II befindlichen Hölzer verwenden solle, da sie sonst wohlmöglich in den Herkunftsländern beispielsweise zu Holzkohle verarbeitet würden. Auch auf den Ausstellungsfläche war CITES allgegenwärtig. So bangte mancher internationaler Aussteller, ob es die Instrument aufgrund der notwendigen Dokumente rechtzeitig aus dem Zoll zur Messe schafften. Am Stand der Reinhardt GmbH präsentierte Firmenchef Gunther Reinhardt und Prof. Dr.-Ing. Alexander Pfriem von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswald als Alternative zu CITES-Hölzern Prototypen von in besonderen Verfahren wärmebehandelten Gitarren aus heimischen Hölzern.