20 Jahre Deutsches Musikinformationszentrum

Anlässlich des Jubiläums sprachen Verantwortliche des MIZ über die Bedeutung von Daten und Fakten für kulturpolitische Entscheidungen sowie für Wissenschaft und Musikverbände.

Das Musikleben in Deutschland ist durch seine lange Tradition und große Vielfalt stark verzweigt. Mehr als 11.000 Institutionen zeugen von dem hohen Interesse an Musik – von den Chorverbänden über die Musikhochschulen bis hin zu den Konzerthäusern. Hier einen Überblick zu erhalten, ist eine komplexe Angelegenheit. Wer jedoch Fördergelder für ein neues Jugendorchester beantragen möchte, wer über die Besuchszahlen im Bereich Oper forschen will oder wer wissen möchte, wie viele Freie Ensembles oder öffentlich finanzierte Orchester es gibt, benötigt zuverlässige Strukturdaten und Hintergrundinformationen. „Die Bedeutung von Daten und Statistiken kann gar nicht überschätzt werden“, erläutert Martin Maria Krüger, Präsident des Deutschen Musikrats. „Sie können überhaupt nichts in die Politik einspeisen – das betrifft nicht nur die Kulturpolitik –, ohne dass Sie sich auf ganz klare Datenlagen stützen. Ein weiterer, überhaupt nicht wegzudenkender Sinn besteht darin, eine Grundlage für jede Art Forschung, Wissenschaft und Lehre zu schaffen.“

Daher war die Gründung des Deutschen Musikinformationszentrums unter dem Dach des Deutschen Musikrats vor 20 Jahren ein lange gehegter Wunsch vieler Kulturinstitutionen. Erstmals wurden – und werden – die disparat in Fachverbänden, Forschungsinstitutionen und offiziellen Stellen vorliegenden Daten und Informationen unter einheitlichen Gesichtspunkten ausgewertet, kommentiert und online leicht zugänglich gemacht. „Die Verbände haben schnell erkannt, welche Vorteile es bringt, die Daten in der Form der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen“, so Andreas Eckhardt, ein Gründungsvater des MIZ, „sie konnten damit viel mehr Interessengruppen in der Bevölkerung erreichen. Das hätten sie alleine nicht geschafft.“

Heute stellt das MIZ längst mehr als Strukturdaten und Statistiken zu Verfügung. Publikationen wie jüngst das Überblickswerk „Musikleben in Deutschland“, Fachbeiträge, topografische Darstellungen sowie Hintergrundinformationen zu immer wieder aktuellen Themen wie zuletzt „Musik und Integration“ betten die Daten in einen größeren Kontext ein und vermitteln einen detaillierten Überblick über das Musikland Deutschland. „Das MIZ ist so etwas wie ein elektronisches Kursbuch zum Musikleben in Deutschland“, bringt es Joachim-Felix Leonhard, ebenfalls Mitbegründer des MIZ, auf den Punkt.

Perspektivisch möchte das MIZ sein Angebot weiter ausbauen und die föderale Struktur des Musiklebens in Länderportalen noch tiefer abbilden. „Die Länderportale sollen den unterschiedlichen Gegebenheiten in den einzelnen Ländern Rechnung tragen“, so Leonhard, „im Ergebnis profitieren kulturpolitische Institutionen, Ministerien und Landtage ebenso wie die musikwissenschaftliche und politische Forschung und der Fachjournalismus.“ Um seine Arbeit ausbauen zu können und auch weiterhin flexibel auf aktuelle Themen reagieren zu können, hofft das MIZ jetzt auf eine Konsolidierung der Mittel. „2018 hat es eine vorübergehende Entspannung in der lange Jahre geradezu prekären Finanzsituation gegeben, wofür wir der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien und ihrem Haus sehr dankbar sind, aber das muss fortgeschrieben werden“, so Krüger, „es ist jetzt schon absehbar, dass die Mittel nicht ausreichen werden, die nächsten Jahre auch nur auf einer auskömmlichen Höhe zu bestreiten.“ Daher solle es nun verstärkt Bemühungen um eine grundständige Verstetigung des Etats geben.

Das vollständige Interview finden Sie im neuen unter themen.miz.org/20-jahre-miz.