Britischer Staat hilft Kulturindustrie mit rund 1,6 Milliarden Pfund

Die Regierung in Großbritannien hat für die Kunst- und Kulturindustrie im vereinten Königreich ein Rettungspaket im Umfang von 1,57 Milliarden Pfund geschnürt.

Im Rahmen des Rettungspakets erhalten beispielsweise Theater, Museen, Galerien oder auch Live-Musik-Clubs Zugang zu Notfall-Zuschüssen und -Darlehen.

Das Rettungspaket stellt die größte Einmal-Investition in den britischen Kultursektor dar. Sie soll helfen die von der Corona stark getroffenen Kulturszene am Leben zu erhalten, solange die Türen weiter geschlossen bleiben müssen.

Der britische Premier Minister Boris Johnson sagte: „Die britische Kulturindustrie ist das pulsierende Herz dieses Landes, von ikonischen Theatern und Musicals über faszinierende Ausstellungen in unseren erstklassigen Galerien bis hin zu Konzerten. Dieses Geld wird dazu beitragen, den Sektor für zukünftige Generationen zu schützen und sicherstellen, dass sich Kunstgruppen und Veranstaltungsstätten in ganz Großbritannien über Wasser halten und ihre Mitarbeiter unterstützen können."

Kulturminister Oliver Dowden sagte: „Unsere Künste und Kultur sind die Seele unserer Nation. Sie machen unser Land großartig und sind der Dreh- und Angelpunkt unserer weltbesten und schnell wachsenden Kreativbranche. Ich verstehe die großen Herausforderungen, denen sich die Künste gegenübersehen. Wir müssen alles tun, was wir können, um sie für zukünftige Generationen zu schützen und zu bewahren. Heute kündigen wir ein riesiges Unterstützungspaket mit finanziellen Soforthilfen an, um die Krise zu bewältigen. Ich sagte, wir würden die Künste nicht im Stich lassen, und diese massive Investition zeigt unser Engagement.“

Die Lage in Deutschland

Anfang Juni hat die Bundesregierung das Programm „NEUSTART KULTUR“ im Umfang von rund einer Milliarde Euro auf den Weg gebracht. Dieses erntete von den Branchenverbänden aber einige Kritik. So sei es laut der Verbände irritierend, dass in dem Maßnahmenbündel zur Stärkung der Kulturinfrastruktur einige Sektoren der Musikbranche ausdrücklich erwähnt werden, während andere sich nicht wiederfinden. Dies sei eine verpasste Chance, die komplexen Wertschöpfungsketten der Branche zu adressieren und sie mit kultureller wie wirtschaftlicher Weitsicht im Bewusstsein zu verankern. Die Spitzenverbände der Musikwirtschaft haben in den vergangenen Monaten gemeinsam mehrfach auf die enge wirtschaftliche Verzahnung aller Einzelbranchen miteinander und deren Abhängigkeit voneinander hingewiesen.

Weiter fielen die deutschen Spitzenpolitiker mit für die Betroffenen irritierenden und beunruhigenden Aussagen zum Thema auf. So verweist Kulturstaatsministerin auf die Grundsicherung des Staates und die Programme der Länder. CSU-Chef Söder sorgte mit der Aussage, man könne ja zum Beispiel mit der Partnerin zu Hause tanzen, für großen Unmut in der Branche.

Prof. Jens Michow, Präsident des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV) machte jüngst erneut auf den Ernst der Lage aufmerksam: „Der Wirtschaftszweig liegt völlig am Boden und sieht kein Licht am Ende des Tunnels. Wann Veranstaltungen bundesweit wieder zuverlässig geplant werden können, ist derzeit nicht absehbar. Wir gehörten zu den Ersten, die wirtschaftlich von der Krise betroffen waren und werden wohl die Letzten sein, die eine Rückkehr zur Normalität erleben“. Zudem mache der Flickenteppich der Corona-Auflagen eine zuverlässige Tourneeplanung für die Veranstalter unmöglich.