Neuer Azubi beim Klavierhaus Labianca

Klavierhaus-Inhaber Claudio Labianca begrüßte seinen neuen Auszubildenden aus Südkorea.

Mit knapp 60.000 Einwohnern ist Offenburg rund 60mal kleiner als Busan, 3.6-Millionen-Metropole an der Küste des Japanischen Meeres und zweitgrößte Stadt Südkoreas. Von dort stammt Ji Yong Lee, Absolvent der Go-Sin-Universität: Lees Studienfach: klassische Klaviermusik. Seit Anfang August arbeitet der 26-Jährige Diplom-Musiker nun in Offenburg – jedoch nicht als Pianist, Lee hat eine Lehre als Klavier- und Cembalobauer beim Offenburger Steinway & Sons-Klavierhaus von Claudio Labianca begonnen.



„Auf der koreanischen Halbinsel gibt es viele Klavierstimmer, aber keine Klavierbauer. Dieser klassische Handwerksberuf kann man dort nicht erlenen“, weiß Labianca, der mit Boram Choi bereits eine Koreanerin ausgebildet hat. Nach ihrer Gesellenprüfung, die Choi 2012 mit Bravour bestand, trat sie eine Stelle als Klavierbauerin in Leipzig an. „Wir haben mit Frau Choi sehr gute Erfahrungen gemacht“, sagt Labianca, „und als Ji Yong Lee uns seine Bewerbung aus Südkorea schickte, haben wir ihn zum Praktikum nach Offenburg eingeladen, zumal es keinen vergleichbaren Bewerber aus der Region gab.“ Obwohl Lee zu Beginn kein Wort Deutsch sprach, überzeugte er seine Ausbilder sofort. „Sein Verständnis für das Klavier und dessen komplizierte Mechanik ist enorm“, berichtet Labiancas technischer Leiter, Klavierbaumeister Patrick Horn-Wegner. „Und auch sein Deutsch wird jeden Tag besser.“ Und der Gelobte selbst? Der lächelt nicht zurückhaltend-asiatisch, sondern strahlt über das ganze Gesicht. „Für mich ging ein Traum in Erfüllung. Die deutsche Tradition der Klavierbaukunst gilt in meiner Heimat als meisterhaft und wird hochgeschätzt, fast wie eine Religion“, sagt Lee und wiederholt: „Fast wie eine Religion.“



Aber, weshalb dann der lange Weg in die Ortenau, nach Offenburg? Koreanische Medien hätten über Boram Choi und die Chance, die Claudio Labianca ihr gab, berichtet, erzählt Lee. So sei er auf den Offenburger Klavierhändler aufmerksam geworden. „Ich habe gehofft, dass auch mein Traum wahr wird.“ Mit diesem im Gepäck und mit pochendem Herzen sei er dann nach Deutschland geflogen, um sich persönlich bei dem Offenburger Unternehmen vorzustellen. „Ich wollte keine Zeit verlieren“, so Lee. Labianca war von dem Lerneifer und Interesse des Asiaten so angetan, dass er bereits nach ein paar Tagen das Praktikumsversprechen in einen Ausbildungsvertrag änderte. Nicht nur deshalb fühlt sich Lee inzwischen in Offenburg rundum wohl. „Ich mag die Menschen, die Landschaft und das Essen“, sagt er lächelnd, „aber am glücklichsten bin ich, wenn ich in der Klavierwerkstatt arbeiten darf.“ Dazu hat der 26-Jährige nun jede Menge Möglichkeiten und Labianca einen tatkräftigen Mitarbeiter mehr. Mit Lee ist die Zahl der Angestellten des Offenburger Klavierhändlers, der seit 2005 in der repräsentativen Villa Haas-Gerber ansässig ist, inzwischen auf zehn gestiegen. Weitere sollen folgen, wenn im Park der Gründerzeitvilla an der Ecke Grabenallee-Zähringerstraße das Bauvorhaben der gemeinnützigen Gemibau (Eigentümerin der Villa Haas-Gerber) fertig gestellt ist. Rund 160 m² Ausstellungs- und Arbeitsfläche erhält Labianca dann dazu – genug Raum, um Ji Yong Lees Träume zu verwirklichen.

 

Quelle/Bild: Labianca

 

Foto: Claudio Labianca (r.) und Ji Yong Lee