Musikrat sieht Qualität der Musiklehrkräfte in Gefahr

Simone Oldenburg, Fraktion Fraktionsvorsitzende der Linken in Mecklenburg-Vorpommern, fordert die Zugangsvoraussetzungen für das Lehramtsstudium in Musik, Kunst und Sport zu erleichtern. Ein Beispiel des Versagenskreislauf der Bildungspolitik, nennt der Deutsche Musikrat den Vorstoß.

Musikrat sieht Qualität der Musiklehrkräfte in Gefahr
(Foto: shutterstock)

Die Fraktionsvorsitzende der Linken im Landtag Mecklenburg-Vorpommern, Simone Oldenburg, fordert laut dpa, die Zugangsvoraussetzungen für das Lehramtsstudium in Musik, Kunst und Sport zu erleichtern, da die derzeitige Praxis den Beweis erbringe, dass man diese Fächer auch ohne entsprechende Ausbildung gut unterrichten könne.

Diese Schlüsse zieht sie aus der aktuellen Antwort auf eine Anfrage der Linken an die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern, wonach 2541 Lehrkräfte die Fächer Musik, Kunst und Sport ohne entsprechende Ausbildung unterrichteten.

Der Musikrat sieht in dem Vorstoß aus Mecklenburg-Vorpommern ein Beispiel für den Versagenskreislauf in der Bildungspolitik. Hierzu Prof. Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrates: „Die absurde Forderung nach Absenkung der Eingangsvoraussetzung zum Musiklehramtsstudium, wie sie nicht nur aus Mecklenburg-Vorpommern geäußert wird, spiegelt den Versagenskreislauf der Bildungspolitik wider. Der akute Musiklehrkräftemangel ist Resultat einer jahrzehntelang verschlafenen Bildungsplanung. Wie sollen Kinder und Jugendliche Begeisterung für die Musik und ein Interesse am Beruf des Musiklehrers oder der Musiklehrerin entwickeln, wenn der Musikunterricht massiv fachfremd erteilt wird bzw. ausfällt und Musik-Leistungskurse immer seltener angeboten werden?

Musik gehört, ebenso wie die übrigen künstlerischen Schulfächer und der Sport, zu den Kernfächern. Gerade für dieses Fach bedarf es hervorragend ausgebildeter Musiklehrkräfte mit musikpraktischen, musikwissenschaftlichen sowie pädagogischen Fähigkeiten und Kenntnissen. Denn zum einen gilt es, die musikalische Vielfalt in ihrer ganzen Bandbreite zu vermitteln. Zum anderen ist – wie in den anderen Schulfächern auch – die fachliche und pädagogische Kompetenz in unserer immer heterogener werdenden Gesellschaft dringender denn je die zentrale Voraussetzung für gelingendes Lehren und Lernen. Musiklehrkräfte durchlaufen daher ein umfängliches Fachstudium mit großem Praxisanteil; aus gutem Grund sind für dieses Studium die Zugangsvoraussetzungen von den Musikhochschulen und Universitäten im Hinblick auf das spätere Berufsleben praxisgerecht gesetzt. Landesregierungen und Länderparlamente sind aufgefordert, endlich die Weichen zu stellen, damit über die gesamte Schullaufbahn hinweg qualifizierter Musikunterricht gewährleistet ist – ein langer, aber unverzichtbarer und lohnender Weg.“

Laut einer Studie des deutschen Musikrats, der Landesmusikräte und der Bertelsmann Stiftung, die im März 2020 veröffentlicht wurde, wird ca. 50 Prozent des Musikunterrichts in Grundschulen fachfremd erteilt. Bei sieben Prozent der Grundschulen fällt er ersatzlos aus.

 

 

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